Auswandern Checkliste: Was du wann erledigst (mit Zeitplan)
Auswandern Checkliste mit Zeitplan: welche Fragen zuerst kommen, was du in Deutschland kündigst und abmeldest und welche Fehler am meisten kosten.

Eine Auswandern Checkliste hilft dir nur, wenn sie eine Reihenfolge hat. Die meisten Listen im Netz werfen Visum, Mietvertrag, Haustier und Rundfunkbeitrag in einen Topf. Das wirkt gründlich, führt aber oft dazu, dass Menschen mit dem Leichtesten anfangen: Sie kündigen die Wohnung, verkaufen das Auto und merken dann, dass die Krankenversicherung oder das Visum noch völlig offen ist.
Du findest hier deshalb eine Liste nach Zeitpunkten. Zuerst kommen die Fragen, an denen alles andere hängt. Danach die Dinge, die Fristen haben. Ganz am Ende die Kleinigkeiten, die sich in einer Woche erledigen lassen.
Ein Hinweis vorweg: Das hier ist keine Rechts- oder Steuerberatung. Aufenthaltsrecht, Steuern und Sozialversicherung hängen von deiner Staatsangehörigkeit, dem Zielland, deiner Arbeit und deiner Familie ab. Verbindlich beantworten das die Steuerberatung, deine Krankenkasse, die Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung Ausland (DVKA) und die Behörden des Ziellandes. Die Liste sorgt dafür, dass du mit den richtigen Fragen dort ankommst.
Welche Fragen gehören ganz oben auf die Auswandern-Checkliste?
Drei Fragen tragen alles andere. Solange eine davon offen ist, solltest du nichts kündigen, was du nicht zurückholen kannst.
1. Darfst du dort leben und arbeiten?
Innerhalb der EU hast du als deutscher Staatsbürger Freizügigkeit. Für Aufenthalte über drei Monate verlangen viele EU-Staaten trotzdem eine Registrierung und den Nachweis, dass du arbeitest oder genug Geld und eine Krankenversicherung hast. Außerhalb der EU brauchst du fast immer ein Visum oder einen Aufenthaltstitel. Achte darauf, ob dieser Titel auch Arbeit erlaubt, und welche Art von Arbeit. Ein Touristenaufenthalt erlaubt in vielen Ländern ausdrücklich keine Erwerbstätigkeit.
2. Wovon lebst du in den ersten zwölf Monaten?
Schreib zwei Zahlen auf: deine monatlichen Fixkosten im Zielland und dein gesichertes Einkommen. Gesichert heißt: vertraglich vereinbart oder schon seit Monaten stabil. Dazu kommt ein Puffer für Kaution, Möbel, Übersetzungen und Flüge. Viele Visa für Remote-Arbeitende verlangen ohnehin einen Einkommensnachweis, die Rechnung brauchst du also sowieso.
3. Wie bist du kranken- und sozialversichert?
Hier passieren die teuersten Fehler. Ob deine deutsche Krankenversicherung weiterläuft, endet oder ruht, hängt davon ab, ob du in der EU bleibst, ob du im Zielland arbeitest und wie du heute versichert bist. Die Details stehen im Beitrag zur Krankenversicherung beim Auswandern. Für die Checkliste reicht: Termin bei der Krankenkasse machen, bevor du irgendetwas kündigst.
Wie sieht ein realistischer Zeitplan fürs Auswandern aus?
Die Zeiträume sind Richtwerte für einen Umzug mit etwas Vorlauf. Innerhalb der EU geht vieles schneller, bei Visumsverfahren in Übersee oft langsamer. Trag dir die Punkte direkt in einen Kalender ein, nicht in eine Notiz-App, die du nie wieder öffnest. Jede Aufgabe bekommt ein Datum und, wenn möglich, eine Person, die dich daran erinnert. Paare und Familien teilen die Liste am besten gleich auf: Wer kümmert sich um Verträge, wer um Dokumente, wer um Versicherungen?
Zwölf bis sechs Monate vorher
- Aufenthalts- und Arbeitsrecht im Zielland klären, Visumsvoraussetzungen und Bearbeitungszeiten notieren.
- Einkommen für das erste Jahr planen und schriftlich festhalten.
- Ersten Termin bei einer Steuerberatung mit Erfahrung im internationalen Steuerrecht vereinbaren.
- Mit der Krankenkasse und gegebenenfalls der DVKA sprechen.
- Mindestens zwei Wochen vor Ort verbringen, möglichst außerhalb der Urlaubssaison.
Sechs bis drei Monate vorher
- Kündigungsfristen aller Verträge prüfen: Miete, Strom, Internet, Handy, Fitnessstudio, Versicherungen.
- Dokumente beschaffen, beglaubigen und übersetzen lassen.
- Altersvorsorge klären: Was passiert mit Rentenanwartschaften, Riester- oder Betriebsrente?
- Bankkonto prüfen. Manche Banken kündigen Konten, wenn kein Wohnsitz in Deutschland mehr besteht.
- Wohnung im Zielland suchen, am besten zuerst befristet.
Aus der PraxisValentin SchmidAngefangen habe ich im Ausland mit Airbnb, wo du erst einmal für ein paar Wochen mieten und dir vor Ort alles in Ruhe anschauen kannst. Wie Vermieter ticken, ist in jedem Land anders: Auf Bali hast du eine Wohnung bekommen, wenn du ein halbes Jahr Miete im Voraus gezahlt hast, ganz ohne Bonitätsprüfung und teilweise sogar ohne Nachweise. In Dubai bringst du die Jahresmiete im Voraus mit, manchmal aufgeteilt in zwei oder drei Raten.
Die letzten vier Wochen
- Abmeldung beim Bürgeramt: Nach § 17 Bundesmeldegesetz frühestens eine Woche vor dem Auszug, spätestens zwei Wochen danach.
- Nachsendeauftrag bei der Post und eine Zustelladresse in Deutschland einrichten, zum Beispiel bei Familie.
- Rundfunkbeitrag abmelden, die Abmeldebestätigung dient als Nachweis.
- Finanzamt über den Wegzug informieren, bei Kindergeld auch die Familienkasse.
- Kopien aller wichtigen Dokumente digital sichern.
Die ersten drei Monate im Zielland
- Anmeldung bei der örtlichen Behörde und Beantragung der lokalen Steuer- oder Identifikationsnummer.
- Krankenversicherung aktivieren und prüfen, ob du beim Arzt tatsächlich behandelt wirst.
- Lokales Konto eröffnen, falls nötig.
- Fristen für Führerscheinumschreibung und Fahrzeuganmeldung notieren.
Was musst du in Deutschland kündigen, abmelden oder behalten?
Nicht alles, was in Deutschland läuft, solltest du beenden. Manche Dinge machen eine spätere Rückkehr leichter. Gehe die Punkte einzeln durch und schreib hinter jeden ein Wort: kündigen, behalten oder klären.
- Wohnung: Kündigen oder untervermieten? Achtung, eine behaltene Wohnung kann steuerlich ein Wohnsitz bleiben.
- Krankenversicherung: Je nach Fall endet sie, läuft weiter oder kann als Anwartschaft ruhen. Erst mit der Kasse sprechen.
- Rentenversicherung: Erworbene Ansprüche bleiben in der Regel bestehen. Ob freiwillige Beiträge sinnvoll sind, klärt eine Beratung der Deutschen Rentenversicherung.
- Bankkonto und Kreditkarte: Bedingungen für Kunden mit Wohnsitz im Ausland nachlesen.
- Handyvertrag: Viele Dienste wie Onlinebanking hängen an einer deutschen Nummer. Ein günstiger Tarif zum Weiterführen kann sinnvoll sein.
- Versicherungen wie Haftpflicht, Hausrat, Rechtsschutz: Gilt der Schutz im Ausland weiter? Meist nicht dauerhaft.
Welche Unterlagen brauchst du beim Auswandern?
Behörden im Ausland wollen oft Originale oder beglaubigte Übersetzungen. Manche verlangen zusätzlich eine Apostille, also eine internationale Echtheitsbestätigung. Das dauert. Leg dir einen Ordner an, analog und digital, mit diesen Unterlagen:
- Reisepass und Personalausweis, Pass mit möglichst langer Restgültigkeit
- Geburtsurkunde, Heiratsurkunde, Geburtsurkunden der Kinder
- Schul-, Ausbildungs- und Arbeitszeugnisse
- Führerschein, gegebenenfalls internationaler Führerschein
- Impfpass und Arztbriefe zu laufenden Behandlungen
- Nachweise über Einkommen und Versicherung für das Visum
- Abmeldebestätigung aus Deutschland
Ein praktischer Tipp: Notiere schon jetzt jeden Aufenthalt mit Datum, wenn du vor dem Umzug mehrfach hin und her reist. Diese Tage spielen später für Steuern und Aufenthaltsrecht eine Rolle, und im Nachhinein rekonstruiert sie niemand gern aus Kontoauszügen.
Welche Fehler kosten beim Auswandern am meisten?
Fehler 1: Abmelden und denken, damit sei die Steuer erledigt
Die Abmeldung ändert dein Melderegister. Steuerlich zählt, ob du in Deutschland einen Wohnsitz oder deinen gewöhnlichen Aufenthalt hast. Wer eine Wohnung behält, die er jederzeit nutzen kann, kann weiter voll steuerpflichtig sein. Wie das genau funktioniert, erklärt der Beitrag zum steuerlichen Wohnsitz im Ausland.
Fehler 2: Die Krankenversicherung zuletzt klären
Wer erst kündigt und dann fragt, kann eine Lücke im Versicherungsschutz haben. Mit Vorerkrankungen wird ein neuer Vertrag schwieriger. Und eine spätere Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung ist nicht in jedem Fall möglich, ab 55 wird sie deutlich schwerer.
Fehler 3: Nur in der Hochsaison testen
Im August am Strand ist jede Stadt schön. Ob dir Alltag, Wetter, Behörden und Nachbarn im Februar noch gefallen, merkst du nur, wenn du dann dort bist. Mach den Test deshalb in einem Monat, in dem du sonst nie Urlaub machen würdest.
Fehler 4: Kein Rückweg
Ein Plan B nimmt Druck raus. Frag dich: Was bräuchte ich, um in sechs Monaten zurückzukommen? Eine Adresse bei Familie, ein Konto, eine Versicherungslösung, etwas Erspartes. Wer das weiß, trifft entspanntere Entscheidungen.
Fehler 5: Ein Einkommen, das am deutschen Arbeitgeber hängt
Viele planen, einfach im bisherigen Job remote weiterzuarbeiten. Das geht nur mit Zustimmung des Arbeitgebers und löst Fragen zu Steuern und Sozialversicherung aus. Wie das aussieht, beschreibt der Beitrag remote arbeiten aus dem Ausland.
Wer berät dich beim Auswandern verbindlich?
Für jede große Frage gibt es eine Stelle, die sie verbindlich beantworten darf. Diese Übersicht spart dir Zeit:
- Steuern und Wegzug: Steuerberatung mit Schwerpunkt internationales Steuerrecht
- Krankenversicherung: deine Krankenkasse, bei Fragen zu EU und Abkommensstaaten die DVKA
- Rente: Auskunfts- und Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung
- Visum und Aufenthalt: Botschaft oder Konsulat des Ziellandes, bei schwierigen Fällen eine Fachanwaltschaft für Migrationsrecht
- Allgemeine Orientierung: Das Bundesverwaltungsamt bietet Informationen für Auswanderer und Auslandstätige
Bring zu jedem Termin eine Seite mit: Zielland, geplantes Datum, wie du dein Geld verdienst, ob du eine Wohnung in Deutschland behältst, wer mitkommt. Mit diesen fünf Punkten kann jede Beratung sofort arbeiten.
Wie fängst du diese Woche mit deiner Auswanderung an?
Du musst nicht alles auf einmal lösen. Nimm dir diese Woche drei Dinge vor: Schreib die drei Kernfragen auf ein Blatt und beantworte sie, so gut du kannst. Liste alle Verträge mit Kündigungsfrist auf. Und vereinbare einen Termin bei deiner Krankenkasse oder einer Steuerberatung.
Wenn die offene Frage bei dir eher das Einkommen ist, also womit du ortsunabhängig Geld verdienen kannst, lohnt sich ein Blick auf Berufe, die vollständig per Telefon und Videocall laufen. Digitale Kundenberater führen zum Beispiel selbständig Beratungsgespräche für Unternehmen mit digitalen Produkten. Wie das aussieht, beschreibt die Seite Remote Closer. Ob das zu dir passt, kannst du in einem kostenlosen Erstgespräch klären, ganz ohne Verpflichtung.




