Verkaufsgespräche üben: Rollenspiel, Aufnahme, Feedback
Verkaufsgespräche üben, auch allein: So baust du Rollenspiele auf, wertest Aufnahmen aus und holst dir Feedback, das dich im nächsten Gespräch weiterbringt.

Verkaufsgespräche üben fühlt sich am Anfang seltsam an. Du sitzt jemandem gegenüber, den du kennst, und tust so, als wäre er ein fremder Interessent. Nach zwei Minuten lacht einer, und die Übung ist vorbei. Oder du übst allein, sprichst Sätze in den leeren Raum und weißt nicht, ob sie gut klingen.
Trotzdem gibt es keinen schnelleren Weg, besser zu werden. Wer Gespräche nur im Ernstfall lernt, lernt sie auf Kosten echter Menschen und mit viel Nervosität. Wer sie vorher übt, geht ruhiger in den ersten echten Call.
Hier lernst du eine einfache Übungsschleife aus drei Teilen: Rollenspiel, Aufnahme, Feedback. Dazu Vorlagen für Übungsfälle, eine Checkliste für die Auswertung und die häufigsten Fehler beim Üben.
Warum solltest du Verkaufsgespräche üben, bevor es ernst wird?
Im echten Gespräch hast du keinen zweiten Versuch. Wenn ein Einwand kommt und dir fällt nichts ein, ist der Moment vorbei. In der Übung kannst du dieselbe Stelle fünfmal hintereinander durchspielen, bis die Antwort sitzt.
Dazu kommt: Unter Stress greifst du auf das zurück, was du am häufigsten wiederholt hast. Wenn das ein guter Satz ist, kommt der gute Satz. Wenn du nichts geübt hast, kommt ein Reflex, meistens Rechtfertigen oder zu viel Erklären. Üben heißt also, die Reflexe zu ersetzen.
Aus der PraxisValentin SchmidWenn mir heute jemand einen Einwand bringt, muss ich nicht mehr überlegen. Das ist bei mir ein Automatismus, weil ich das schon tausendmal gemacht habe. Diese Sicherheit kommt nur über Training, und einmal in der Woche reicht dafür nicht. Es muss so oft wiederholt werden, bis es im Schlaf sitzt. Denn sobald du im Gespräch erst nachdenken musst, strahlst du Unsicherheit aus.
Wie baust du ein Rollenspiel für Verkaufsgespräche auf?
Ein gutes Rollenspiel braucht drei Dinge: einen klaren Fall, ein einziges Übungsziel und eine feste Zeit. Ohne Fall improvisiert dein Gegenüber und ist meist zu nett. Ohne Ziel weißt du hinterher nicht, worauf du achten sollst. Ohne Zeitlimit zieht sich die Übung.
Vorlage für einen Übungsfall
Gib der Person, die den Kunden spielt, eine kurze Beschreibung. Zum Beispiel:
- Wer: Sandra, 34, Vollzeit im Büro, zwei Kinder, hat sich über eine Anzeige gemeldet.
- Situation: unzufrieden mit dem Job, will sich nebenher etwas aufbauen, hat schon einmal einen Onlinekurs abgebrochen.
- Eigentlicher Antrieb (wird nur auf gute Nachfragen verraten): will nicht mehr vom Chef abhängig sein.
- Einwand am Ende: „Ich muss noch überlegen.“
- Verhalten: antwortet knapp, taut erst auf, wenn nachgefragt wird.
Der versteckte Antrieb ist der wichtigste Teil. Er zwingt dich, wirklich nachzufragen, statt bei der ersten Antwort stehen zu bleiben. Weitere Fälle kannst du nach dem gleichen Muster bauen, jeweils mit anderem Einwand: „Das ist mir zu teuer“, „Ich habe keine Zeit“, „Ich muss das mit meinem Partner besprechen“.
Ein Ziel pro Runde
Leg vor jeder Runde genau ein Ziel fest und sag es laut. Beispiele: „Ich stelle mindestens zweimal die Nachfrage ‚Und was noch?‘.“ Oder: „Ich fasse zusammen und lasse bestätigen, bevor ich die Lösung erkläre.“ Oder: „Beim Einwand frage ich nach, bevor ich antworte.“ Alles andere darf in dieser Runde schiefgehen.
Zeit und Ablauf
- Zwei Minuten: Fall lesen, Ziel festlegen.
- Zehn bis fünfzehn Minuten: Rollenspiel, ohne Unterbrechung.
- Fünf Minuten: Feedback, nach festen Regeln (siehe unten).
- Dann: dieselbe Stelle noch einmal spielen, mit dem besseren Satz.
Der letzte Schritt wird fast immer weggelassen und ist der wichtigste. Erst wenn du den besseren Satz einmal gesprochen hast, gehört er dir.
Wie kannst du Verkaufsgespräche alleine üben?
Nicht immer ist jemand da, der den Kunden spielt. Allein üben ersetzt das Rollenspiel nicht, aber es bereitet gut darauf vor. Diese drei Übungen funktionieren ohne Gegenüber:
- Einstieg laut sprechen: Die ersten zwei Minuten eines Gesprächs, also Begrüßung und Rahmen, zehnmal laut aufsagen und aufnehmen. Danach klingt es nicht mehr auswendig gelernt, sondern selbstverständlich.
- Einwand-Karten: Schreib fünf typische Einwände auf Karteikarten, misch sie, zieh eine und antworte sofort laut. Erst nachfragen, dann antworten.
- Fragen umformulieren: Nimm eine Frage aus deinem Leitfaden und formuliere sie auf fünf verschiedene Arten. So bleibst du im echten Gespräch flexibel.
Welche Fragen sich dafür besonders eignen, findest du im Beitrag zur Bedarfsanalyse im Verkaufsgespräch.
Aus der PraxisValentin SchmidZusätzlich zum Rollenspiel mit einem Partner empfehle ich, Einwände mit der Sprachfunktion von ChatGPT zu trainieren. Die kostenlose Version reicht, die nutze ich selbst. Du gibst eine Trainingssituation vor und sagst der KI, welchen Einwand sie bringen und wie hartnäckig sie bleiben soll. Nimm das Gespräch auf, damit du es danach auswerten kannst. Es geht nicht darum, was die KI sagt, sondern wie du damit umgehst.
Warum solltest du Übungsgespräche aufnehmen?
Während des Gesprächs hast du kaum Kapazität, dich selbst zu beobachten. Die Aufnahme zeigt dir, was wirklich passiert ist, nicht was du glaubst, gesagt zu haben. Die meisten erleben dabei zwei Überraschungen: Sie reden viel mehr als gedacht, und sie unterbrechen öfter.
Ein Hinweis zur Aufnahme selbst: Nimm nur mit Einverständnis aller Beteiligten auf, auch im Rollenspiel. Bei echten Gesprächen gilt das erst recht, denn in Deutschland ist das heimliche Aufnehmen nicht öffentlich gesprochener Worte strafbar. Das ist keine Rechtsberatung. Wenn du später echte Gespräche aufzeichnen willst, klär die Einwilligung vorher sauber mit dem Unternehmen, für das du sprichst. Für deine Übungen reicht ohnehin das Rollenspiel.
Checkliste für die Auswertung
Hör dir die Aufnahme einmal komplett an und notiere nur Zeitstempel. Beim zweiten Durchgang beantwortest du diese Fragen:
- Wer hat in den ersten zehn Minuten mehr geredet?
- Wann habe ich zum ersten Mal etwas erklärt, und hatte ich vorher zusammengefasst?
- Wo habe ich eine Antwort überhört, weil ich an die nächste Frage gedacht habe?
- Wie habe ich auf den Einwand reagiert: nachgefragt oder sofort argumentiert?
- Habe ich mein Übungsziel für diese Runde erreicht, ja oder nein?
Wähle danach eine einzige Stelle aus, an der du am meisten lernen kannst. Schreib den Satz auf, den du gesagt hast, und daneben den Satz, den du nächstes Mal sagen willst. Das ist dein Ziel für die nächste Runde.
Wie sieht gutes Feedback nach einem Rollenspiel aus?
Schlechtes Feedback klingt so: „War schon ganz gut, vielleicht ein bisschen selbstbewusster.“ Damit kann niemand etwas anfangen. Gutes Feedback benennt eine Stelle und einen besseren Satz: „Als ich gesagt habe, dass ich keine Zeit habe, hast du sofort erklärt, dass eine Stunde am Tag reicht. Ich hätte mich mehr verstanden gefühlt, wenn du gefragt hättest, wie mein Abend aussieht.“
Diese Regeln machen Feedback brauchbar:
- Erst das Übungsziel bewerten: erreicht oder nicht?
- Dann eine Stelle, die gut war, mit dem genauen Satz.
- Dann eine Stelle zum Verbessern, mit einem Vorschlag für einen besseren Satz.
- Kein Urteil über die Person, nur über das Gespräch.
- Die Person, die den Kunden gespielt hat, sagt, wie sich die Stelle für sie angefühlt hat.
Der letzte Punkt ist besonders wertvoll. Wer den Kunden spielt, merkt genau, an welcher Stelle er innerlich zugemacht hat. Diese Rückmeldung bekommst du in echten Gesprächen nie.
Welche Fehler passieren beim Üben am häufigsten?
- Zu viele Ziele auf einmal. Korrektur: ein Ziel pro Runde, alles andere darf schiefgehen.
- Zu nette Übungspartner. Korrektur: Fallbeschreibung mit verstecktem Antrieb und festem Einwand vorgeben.
- Nur durchspielen, nie wiederholen. Korrektur: Die schwierige Stelle direkt nach dem Feedback noch einmal spielen.
- Sich selbst fertigmachen. Korrektur: Die Aufnahme ist ein Werkzeug, kein Zeugnis. Du hörst nicht dich, sondern eine Stelle.
- Ewig üben, nie anfangen. Korrektur: Leg dir ein festes Datum für dein erstes echtes Gespräch und halte es ein, auch wenn sich noch nicht alles sicher anfühlt.
Gerade der letzte Punkt betrifft viele, die sich unsicher fühlen. Übung soll dich vorbereiten, nicht ersetzen. Irgendwann kommt der Moment, in dem das echte Gespräch die beste Übung ist. Wie du mit dem Gefühl umgehst, wenn dort ein Nein kommt, beschreibt der Beitrag zum Umgang mit Ablehnung im Vertrieb.
Woran du merkst, dass eine Stelle sitzt
Eine einfache Regel: Wenn du dein Übungsziel in drei Runden hintereinander erreichst, ohne vorher auf den Zettel zu schauen, ist die Stelle bereit. Dann nimmst du dir die nächste vor. So wächst dein Gespräch Stück für Stück, statt dass du jedes Mal alles gleichzeitig verbessern willst.
Wie sieht ein Wochenplan zum Üben neben dem Job aus?
Wenn du tagsüber arbeitest, reichen drei kurze Einheiten pro Woche. Ein Beispiel:
- Montag, 30 Minuten: allein üben, Einstieg aufnehmen, Einwand-Karten.
- Mittwoch, 45 Minuten: Rollenspiel mit Fallvorlage, Aufnahme, Feedback, Wiederholung der schwierigen Stelle.
- Freitag, 20 Minuten: Aufnahme vom Mittwoch noch einmal anhören, Ziel für die nächste Woche festlegen.
Mehr dazu, wie du das Gesprächsführen systematisch lernst, steht auf der Seite Verkaufen lernen. Und wer sich fragt, ob es dafür Talent braucht, findet eine ehrliche Antwort im Beitrag Kein Talent, sondern Wiederholung.
Auch in der Ausbildung zum digitalen Kundenberater bei der VS Academy, die Valentin Schmid gegründet hat, werden Gespräche in Simulationen geübt, etwa mit den Einwänden „Das ist mir zu teuer“ und „Ich muss noch überlegen“, bevor echte Beratungsgespräche für Unternehmen anstehen. Wenn du herausfinden willst, ob dieser Weg zu dir passt, ist das kostenlose Erstgespräch ein unverbindlicher erster Schritt.




